Neue Informationen zur OpenAccess-Plattform der Berlin Verlage

03/09/2010

In diesem Frühjahr überraschte eine Pressemitteilung der Berlin Verlage sowohl die Verlagsbranche als auch die Wissenschaftsszene: die Ankündigung einer OpenAccess-Plattform für Monographien aus den Geisteswissenschaften unter dem Label Berlin Academic, die im Sommer 2010 starten sollte. Neben dem freien Zugang zu den wissenschaftlichen Texten wurde die Entscheidung für eine Lizenzierung unter Creative Commons vor allem von OpenAccess-Befürwortern begrüßt.

Nun ist der Sommer (fast) vorbei, aber leider startete die Plattform nicht. Da es auch sonst keine weiteren Informationen in den letzten Monaten seit der Veröffentlichung der Pressemitteilung gab, schrieb ich aus Neugierde und Interesse die Berlin Verlage an. Schnell wurde meine Anfrage mit einer Verabredung zu einem Telefongespräch bearbeitet. Am Mittwoch telefonierte ich dann mit Frau Katja Oechel, Digital Marketing Manager von Berlin Academic. Das kann ich schon vorweg sagen: es war ein sehr interessantes, freundliches und auch angesichts gewisser marketingtechnischer Interessen offenes Gespräch. Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle recht herzlich.

Was sind nun die neuen Informationen? Auch wenn es längere Zeit still war, die Plattform kommt – jedoch mit Verspätung. Wahrscheinlich startet sie im Frühjahr 2011 . Grund für die Verzögerung ist wohl eine längere benötigte Programmierzeit für die Plattform, als ursprünglich vorgesehen. Spannend wird es sein, wie diese aussieht – vor allem hinsichtlich der geplanten Monographie-Plattform des OJS-Systems, welche schon seit geraumer Zeit angekündigt ist. Ein interessanter Hinweis gab mir Frau Oechel: die OpenAccess-Plattform orientiert sich dabei an dem für September 2010 vorgesehenen Launch einer entsprechenden OpenAccess-Plattform des Hauptverlages Bloomsbury in Großbritannien, genannt Bloomsbury Academic. Sobald diese gestartet wird, werde ich sie mir mal genauer anschauen und Sie darüber informieren.

Die Lizenzierung unter Creative Commons steht fest. Es wird zwei verschiedene Autoren-Modelle geben: ein Instituts- und ein Einzelautoren-Modell, letzteres ist jedoch noch nicht bis ins Einzelne ausgearbeitet. Jedoch erste Informationen gibt es sowohl für Institute als auch für Autoren auf der Website von Berlin Academic. Alle Texte sollen einem Peer Review-Verfahren unterliegen, den Autoren werden u.a. als verlegerische Leistung neben der Begutachtung auch ein Korrektorat und die Herstellung angeboten. Als Finanzierung scheint es eine Mischung aus Instituts- und Einzelautorengebühren geben. Immerhin erhält so ein Autor mehr als bei mancher jetzigen wissenschaftlichen Publikation. Die Texte sollen als HTML, PDF, Epub und als Printpublikation ausgegeben werden, vorletzteres wohl gegen Gebühr.

Natürlich bleiben bei solch einem Gespräch Fragen offen. Zunächst sei der Einwand vorgebracht, daß wohl fast 90 % aller wissenschaftlichen Monographiepublikationen in den Geisteswissenschaften Qualifikationsschriften (Dissertationen vor allem) sind, die ja im Promotionsverfahren schon begutachtet worden sind. Zugleich sind die Themen oft dermaßen spezialisiert, daß mir ein Peer Review seitens des Verlages schwer erscheint. Frau Oechel wies im Gespräch darauf hin, daß der Fokus der Plattform auf hochwertige Publikationen liegen wird, die von einem internationalen Editorial Boards gemanagt werden. Zur Qualitätssicherung schaltet der Verlag ein Begutachtungsverfahren vor der Veröffentlichung vor. Trotzdem lassen mich diese beiden Punkte an einem Zugewinn der Begutachtung durch Berlin Academic zweifeln.

Darüber hinaus erscheint mir für das wissenschaftliche Arbeiten das Epub-Format nicht geeignet, da dort keine ordnungsgemäße Zitierung durch die Verschiebung der Seitenzahlen gegeben ist. Zudem wird es wohl heftige Diskussionen darüber geben, daß eine Formatausgabe aufgrund des Gebührenmodells nicht Open Access ist. Frau Oechel betonte jedoch, daß Berlin Academic versucht, alle vom Nutzer/Autor gewünschten Formate zu berücksichtigen, also eine große Bandbreite je nach individuellen Wünschen anzubieten. Dies ist erstmal keine schlechte Idee, interessant wird es, welche Formate letztlich tatsächlich genutzt werden. Wie gesagt, manche werden wohl für das wissenschaftliche Arbeiten weniger geeignet sein.

Darüber hinaus blieben noch einige Fragen wie nach der Langzeitarchivierung, der Einbindung von VG Wort-Zählmarken (Meldung der Online-Texte) oder der Zusammenarbeit mit Repositorien offen. Als Endergebnis schält sich heraus: die Plattform, die dann wohl einfach Berlin Academic heißen wird, ist ein spannendes OpenAccess-Projekt, an dem noch einiges zu tun ist. Mir scheinen jedoch einige Aspekte, die für das wissenschaftliche Arbeiten notwendig sind, noch nicht hinreichend beachtet worden zu sein. Frau Oechel betont in unserem Gespräch, daß die Plattform und das Team erst im Aufbau ist und daher noch nicht alle Punkte berücksichtigt werden konnten. Dies erklärt auf jeden Fall manche Fragen, auch wenn sie dadurch noch nicht beantwortet worden sind. Ich hoffe jedoch, daß die Berlin Verlage noch manche Schwierigkeiten, auch durch Gespräche mit verschiedenen Wissenschaftlern bei dieser Form des wissenschaftlichen Publizierens beseitigen können. Ein Author Advisory Board ist jedenfalls in Planung. Auf jeden Fall scheint mir mit dieser Plattform Bewegung in die OpenAccess-Publikationsmodelle für Verlage zu kommen, was ich sehr begrüße.


Umfrage von SOAP zu Open Access und wissenschaftlichem Publizieren

28/05/2010

Über die Inetbib-Liste wurde auf folgende Online-Umfrage im Rahmen des EU-Projekts „Study of Open Access Publishing“ (SOAP) über Open Access Publizieren mit der Bitte um Weiterleitung und Verbreitung aufmerksam gemacht. Sie dauert 10 bis 15 Minuten. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele meiner Leser an ihr teilnehmen:

The SOAP Project (*), funded by the European Commission, would like to announce the release of an online survey to assess researchers‘
experiences with open access publishing. This survey aims to inform the most comprehensive analysis of attitudes to open access publishing to
date and is seeking views from a wide a range of interested parties. It is primarily aimed at active researchers in public and private organizations, from all research fields in science and the humanities and focuses on publication of research articles in (open access) peer-reviewed journals.


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